Dazulernen beim Interviewmagazin Inter.Vista

„Darf ich fragen, ob sie noch einen Penis hat?“

Katerine Janietz (21) studiert Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Der Studiengang produziert das Interviewmagazin Inter.Vista, das einen starken Bezug zur Stadt Magdeburg hat. Und Katerine Janitz gehörte zu einer Semester-Redaktion. Wie der Journalismus-Studiengang ein solches Lehrprojekt stemmt, verrät Ideengeber und Dozent Dr. Uwe Breitenborn im Interview. Hier schreibt Studentin Katerine Janietz über ihre größten Herausforderungen und Erkenntnisse.

Von Katerine Janietz, im Mai 2017

Welcher Arbeitsschritt war die größte Herausforderung für mich?
Als angehende junge Journalistin habe ich mich schwergetan mit der Interviewvorbereitung. Bei mir war es die Vorbereitung für ein Interview mit einer Transsexuellen. Ich wusste zwar genau, welche Fragen die Leserschaft und mich interessieren, aber mir war nicht ganz klar: Wie privat darf ich werden? Darf ich sie fragen, ob sie noch einen Penis hat? Oder ob die Nase gemacht ist, da sie so feminin aussieht? Darf ich fragen, wie der erste Sex als (nun auch körperliche) Frau war?

Inter.Vista - Interviewmagazin der Hochschule Magdeburg-Stendal
Katerine Janitz: Journalismus-Studentin und Inter.Vista-Redakteurin (Foto: Privat)

Und dann ist da eben auch die Unsicherheit mit den Begrifflichkeiten gewesen. Darf ich sie transsexuell nennen oder empfindet sie das als diskriminierend? Denn eigentlich ist sie jetzt quasi eine normale Frau. Also meine größte Herausforderung war die Formulierung der Fragen: Wie direkt stelle ich die Fragen? Welche Worte sind okay, was könnte eventuell anders oder negativ interpretiert werden, obwohl es nicht so gemeint ist? Diese Unsicherheit war mein größtes Problem.

Wie habe ich diese Herausforderung gelöst?
Ich habe mir immer wieder gesagt: Eine Journalistin kommt, um Fragen zu stellen. Meine Interviewpartnerin weiß, dass ich komme, um mit ihr auch über das Thema Transsexualität zu sprechen, sie wird also wahrscheinlich dafür offen sein, sonst hätte sie sich zu dem Interview nicht bereiterklärt. Und wenn ich einen Begriff falsch verwende, wird sie es mir schon sagen.

 

„Einfach offen sein und man bekommt Offenheit zurück.“

 

So war es dann auch. Ich merkte: Wer fragt, kriegt Antworten. Es ist schlimmer, nervös herumzudrucksen, als einen Begriff zu nennen, der eventuell missverstanden werden könnte. Trotzdem war ich zu Beginn des Interviews total nervös. Ich hatte aber das Glück, eine unglaublich coole Interviewpartnerin zu haben, die während des Interviews selbst Worte in den Mund nahm wie „Trümmertranse“ und mir zeigte, wie locker und humorvoll man mit dem Thema umgehen kann. Das Interview hat dann richtig Spaß gemacht. Meine Moral der Geschichte: Einfach offen sein und man bekommt Offenheit zurück!

Was ist meine wichtigste Erkenntnis aus diesem Interviewprojekt?
Die Vorbereitung der Interviews ist das A und O. Der Interviewpartner merkt sofort, wenn man stolpert und wird sich nicht mehr so öffnen, wie man das wünscht – oder noch schlimmer, er nimmt den Interviewer nicht mehr ernst. Ich habe außerdem gemerkt, dass viele Sachen nicht theoretisch erlernbar oder in einer Vorbereitung planbar sind, sondern allein aus der Erfahrung resultieren.

Beispielsweise Gelassenheit. Ich muss meinem Interviewpartner Sicherheit vermitteln und meine eigene Aufregung dabei verbergen, um eine vertraute Atmosphäre zu schaffen und ihn dadurch in Redestimmung zu bringen. Meine wichtigste Erkenntnis also? Learning by doing ist das Rezept für gute Interviews. Ganz viel „einfach machen“. Das Projekt hat uns in vielerlei Hinsicht ins kalte Wasser geschmissen, aber das war gut so. Es wurde und wird von Interview zu Interview besser!