Dazulernen beim Interviewmagazin Inter.Vista

„Ich hätte unbedingt nachhaken müssen“

Miriam Bade (23) studiert Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Der Studiengang produziert das Interviewmagazin Inter.Vista, das einen starken Bezug zur Stadt Magdeburg hat. Und sie gehörte zur Semesterredaktion von Ausgabe 3. Wie der Journalismus-Studiengang ein solches Lehrprojekt stemmt, verrät Ideengeber und Dozent Dr. Uwe Breitenborn im Interview. Hier schreibt Studentin Miram Bade über ihre größten Herausforderungen und Erkenntnisse.

Miriam Bade, im Mai 2017

Welcher Arbeitsschritt war die größte Herausforderung für mich?
Bei der Herstellung der ersten Inter.Vista Ausgabe stand ich zwei grundverschiedenen Tätigkeiten gegenüber: Die eine war die inhaltliche/redaktionelle – das Finden geeigneter Interviewpartner, das Formulieren von Fragen und die Führung des Interviews, sowie Lektorat, Redigieren und Auswahl für das Magazin. Die zweite Tätigkeit konzentrierte sich auf den gesamten gestalterischen Produktionsprozess, also Namensfindung, Design, Layout, Satz, Fotografie und Bildbearbeitung.

Interviewmagazin Inter.Vista an der Hochschule Magdeburg-Stendal
Miriam Bade: Journalismus-Studentin und Inter.Vista-Redakteurin (Foto: Privat)

Im Interview war schwierig für mich, bei den Gesprächspartnern hinter die berufliche Fassade zu schauen. Viele Menschen definieren sich stark über ihre Tätigkeit. Teilweise unbewusst werden berufliche Handlungsmuster oder Einstellungen ins Privatleben übernommen. Da sollte man beim Fragen sensibel sein. Interessant sind Informationen, die unerwartet sind.

 

„Ich ärgere mich bis heute darüber.“

 

Als einer meiner Interviewpartner anriss, dass er von einem guten Freund um sehr viel Geld betrogen wurde, hätte ich unbedingt nachhaken müssen. Ob es die Aufregung war oder das Gefühl, der Interviewpartner möchte nicht gern über das Thema sprechen – ich habe nicht nachgefragt und ärgere mich bis heute darüber!

Der Entwicklungsprozess war sehr intensiv. Von der Einigung auf ein schlichtes, modernes und individuelles Layout, über die aufwändige Bildbearbeitung (schwarzer Hintergrund), bis hin zur Arbeit mit der Software InDesign und dem – auch dessen geschuldeten – extrem zeitaufwändigen Satz ergaben sich immer wieder Schwierigkeiten. An all den kleineren und großen Herausforderungen wuchs und lernte ich jedoch immens.

Wie habe ich diese Herausforderung im Interview gelöst?
Nach dem besagten Interview schrieb ich an den Interviewpartner eine Mail, in der ich ihn noch einmal auf die Geschichte mit seinem Freund ansprach. Leider gab er hierauf keine eindeutige Antwort. So musste ich mich damit abfinden, dass ich im ausschlaggebenden Moment nicht schnell genug reagiert hatte.

Beim nächsten Interview machte ich es besser: Ich hörte meiner Interview-Partnerin intensiver zu und stellte direkte Nachfragen, ohne mich zu sehr an meinem Leitfaden festzuklammern. Bei der Produktion des Magazins halfen uns eine klare Organisationsstruktur und Aufgabenverteilung. Dennoch zog sich die Fertigstellung bis weit in die Semesterferien.

Was ist meine wichtigste Erkenntnis aus diesem Interviewprojekt?
Redaktionell habe ich gelernt, dass eine intensive Vorbereitung das Interview immens aufwertet, denn nur so kann man sich auf Augenhöhe unterhalten und der Interview-Partner fühlt sich verstanden und ernst genommen. Dennoch – trotz aller Vorbereitung muss man auch in der Lage sein spontan auf Informationen zu reagieren und diese blitzschnell einzuordnen. Meine Achtung vor bekannten Journalisten ist seitdem extrem gestiegen.

Der Produktionsprozess hat mich gelehrt, wie aufwändig solch ein umfangreiches Projekt ist. Dazu ist nicht nur zielgerichtete Arbeit und Motivation notwendig, sondern vor allem eine große Portion Durchhaltevermögen. Hinter jeder Seite stecken viele Stunden Arbeit, ganz besonders trifft das auf spezielle Seiten wie das Cover zu, über das wir lange diskutiert haben. Auch banal wirkende Aspekte wie die Wahl eines Farbakzentes, einer Schriftart oder den Einsatz von Linien und Satzzeichen nehmen mehr Zeit in Anspruch, als ich es für möglich gehalten hätte.