kurz & knackig: Interview mit mobile.de-Kommunikationschef Christian Maas

mobile.de Sprecher Christian Maas

„Ich greife ein, wenn der Interviewer sehr unfair agiert.“

Christian Maas leitet für das erfolgreiche Internetunternehmen mobile.de die Kommunikation. Seit 2013 spricht er für die eBay-Tochter aus Berlin. Hier beantwortet er Fragen über das Interview aus seiner Sicht.

Im Juli 2017

mobile.de - Kommunikationschef Christian Maas
Christian Maas: Er findet Interviews gut, „wenn sie sich nicht statisch anfühlen“. (Foto: mobile.de)

Alles über Interviews: Herr Maas, welche Vorteile haben Interviews aus Ihrer Sicht des Unternehmenssprechers gegenüber anderen journalistischen Darstellungsformen?
Christian Maas: 
Ein Interview ist ungefilterter und direkter, als andere journalistische Darstellungsformen. Es kann viel von der Persönlichkeit des Interviewten transportieren, sofern die Pressestelle im Nachgang nicht alle Ecken und Kanten glatt schleift.

Wie sind Journalisten oder Blogger, denen Sie gerne ein Interview geben oder vermitteln?
Gut vorbereitet, fair, interessiert und offen. Und damit nach Möglichkeit frei von vorgedachten Aussagen, die sie auf Biegen und Brechen aus dem Interviewten herausholen wollen. Ein guter Interviewer geht auf die Positionen des Gesprächspartners ein.

Was erwarten Sie von Journalisten in der Interviewvorbereitung?
Viele Journalisten haben sich vorab intensiv mit unserem Unternehmen und der vereinbarten Thematik auseinandergesetzt. Sie kennen unsere bisherigen Aussagen und wissen, was andere Markteilnehmer dazu sagen. So erreicht das Interview inhaltliche Tiefe und Neuigkeitswert.

Warum sitzen oft Pressesprecher in Interviews, obwohl sie nicht die Interviewten sind?
Ich habe verschiedene Aufgaben. Ich vereinfache, konkretisiere oder ergänze manche Aussagen, damit sie für Leser verständlich sind. Ich notiere, welche Detailinfos wir nachreichen müssen. Und ich greife ein, wenn der Interviewer sehr unfair agiert.

Welche Verhaltensweisen von Interviewern nerven Sie?
Wenn ich das Gefühl habe, dass mich jemand hinters Licht führen will. Z. B. indem andere als die vereinbarten Themengebiete angesprochen werden. Oder indem immer wieder die gleiche Frage gestellt wird, weil dem Interviewer die Antwort nicht gefällt.

Wann ist ein Interview aus Ihrer Sicht schlecht gelaufen?
In der Regel führen oben genannte Punkte dazu, dass aus einem Interview nichts wird. Schlecht gelaufen sind Interviews auch, wenn sie nichts von der Person transportieren. Zum Beispiel, weil die Pressestelle alle Aussagen weichspült.

Wann finden Sie Interviews gelungen?
Ich finde Interviews gut, wenn sie sich nicht statisch anfühlen, sondern nach einem echten Gespräch. Ein Gespräch, in dem der Leser wirklich etwas über den Charakter und die Ansichten des Interviewten erfährt.

Was haben gute Interviewer, was schlechte nicht haben?
Sie können sich auf ihren Gesprächspartner einstellen und sind nicht mit einer fixen Story angereist, die sie nur bestätigt haben möchten. Das schafft beim Interviewten Vertrauen und so letztlich Offenheit.

Sehen Sie Unterschiede in der Interviewführung zwischen Journalisten und Bloggern?
Ich muss gestehen, dass ich noch nie ein Interview mit einem Blogger geführt habe. Und weil mir das ein wenig peinlich ist, verspreche ich an dieser Stelle, es sehr bald nachzuholen. 🙂

Was ärgert Sie, wenn Sie Interviewtexte zur Autorisierung bekommen?
Ich finde es schwierig, wenn Interviewtexte inhaltlich nicht akkurat sind oder sprachlich stark von dem abweichen, was vor Ort oder am Telefon lief. Das korrigieren wir. Ansonsten halte ich es für wichtig, gerade die knackigen Aussagen zu erhalten.

Gehört die Interviewtext-Autorisierung abgeschafft, wie es viele Journalisten fordern?
Darunter würden vor allem die Journalisten leiden. Dann traut sich niemand mehr, etwas Spannendes zu sagen. Und die Zahl der Interviewwilligen würde dramatisch sinken. Ich halte die Abschaffung für grundsätzlich falsch.

Vielen Dank!

Christian Maas ist „Head of Communications“ beim Berliner Internetunternehmen mobile.de, einer Tochter von eBay. Maas studierte an der Universität zu Köln Betriebswirtschaftslehre und stieg bei der Metro AG in die Unternehmenskommunikation ein, wo er von 2005 bis 2013 in verschiedenen Positionen tätig war, zuletzt als Head of Policy Issues und stellvertretender Leiter des Berliner Büros. Seit August 2013 verantwortet der die Kommunikation von mobile.de.

kurz & knackig Für die „Alles über Interviews“ – Serie beantworten Journalisten, Blogger, Volontäre, Studenten, Interviewte und Kommunikationsverantwortliche von Unternehmen und anderen Organisationen in loser Folge einen Fragebogen zum Thema Interview. Die elf Antworten sollen jeweils höchstens 250 Zeichen lang sein.