Interviewtipp für entspanntere Interviews: Das Ende vor dem Ende

Entspanntere Interviews

Kleine Entspannungsmomente mit großer Wirkung

Die professionelle Anspannung ist notwendig. Doch auch das Gegenteil kann zu guten Ergebnissen im Interview führen: Der freie Journalist David Korsten sucht in seinen Gesprächen nach Momenten, die entspanntere Interviews entstehen lassen. Eine kleine Inspiration für alle, die von ihren Interviewpartnern nicht nur Vorgefertigtes erfahren möchten.

Von David Korsten*, im September 2017

Entspanntere Interviews - Interviewtipp
Lockere Gesprächsmomente: Bringen gute Ergebnisse (Foto: rawpixel.com / CC0 License)

Interviews sind inhaltlich spannend, weil man Themen und Menschen näher kennenlernt. Doch sind sie, bei aller Routine, immer auch mit einer gewissen Anspannung verbunden. Das betrifft die Fragenden selbst, aber auch die Befragten – insbesondere, wenn es sich um Personen handelt, für die Interviews nicht zum Alltag gehören. Neben der inhaltlichen Vorbereitung und dem Bemühen um eine offene Gesprächsatmosphäre habe ich gute Erfahrungen mit einem kleinen Trick gemacht: dem Ende vor dem Ende.

Einfach mal entspannt zurücklehnen

Der Trick für entspanntere Interviews geht so: Bevor das eigentliche Interview zu Ende ist, lehne ich mich etwas zurück, schiebe das Aufnahmegerät oder den Notizblock (ich schreibe in der Regel mit) beiseite oder klappe ihn sogar kurz zu. Das signalisiert dem Gesprächspartner, dass das „offizielle“ Interview beendet ist. Oftmals stellt sich dann beim Interviewten eine deutliche, auch körperlich wahrnehmbare Entspannung ein: Der Tonfall ändert sich, er lehnt sich auf dem Stuhl zurück, trinkt etwas, plaudert „aus dem Nahkästchen“ etc.

Entspanntere Interviews - Interviewtipp
David Korsten: Freier Journalist aus Köln (Foto: Privat)

Wichtig dabei finde ich, die Grenze zwischen „on the record“ und „off the record“ klar zu markieren, den Gesprächspartner also nicht zu täuschen. Nach diesem kurzen Entspannungsmoment schlage ich dazu den Notizblock wieder auf oder positioniere das Aufnahmegerät neu, um zu zeigen, dass wir uns nach wie vor im Interview befinden.

Wertvolle Nebenaspekte

Klar: Nicht immer führt dieser Interviewtipp  zu etwas Verwertbarem. Doch oft genug kommen noch einmal Aspekte zur Sprache, an die man mit weiteren Fragen oder in Interviews mit anderen Gesprächspartnern anknüpfen kann. Oder es entstehen aus (scheinbaren) Nebenaspekten Ideen für andere Geschichten. Auch Stimmung, Haltung oder Persönlichkeit eines Gesprächspartners werden in solchen Entspannungsmomenten oftmals deutlicher als im „offiziellen“ Teil – und fließen so in den „Sound“ des Interviews ein.

Schreiben Sie mir oder den Initiatoren von alles-ueber-interviews.de gerne, welche Erfahrung Sie mit diesem Interviewtipp machen.

* David Korsten ist freier Journalist aus Köln. Der studierte Historiker arbeitet für verschiedene Print- und Onlinemedien. Gemeinsam mit Alles-über-Interviews-Mitinitiator Tim Farin entwickelt er das journalistische Magazin Follow Up.