Legendäres Interview: Völler vs. Hartmann

I'ts showtime. Eine Person hält ein Schild mit beiden Händen in die Höhe

Rudi Völler: „Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören.“

Nach einem faden 0:0 gegen Island hat der damalige Fußball-Bundestrainer Rudi Völler die Schnauze voll vom Genörgel der Medien – und gibt gehörig Kontra. Das Interview mit ARD-Sportmoderator Waldemar Hartmann zählt zu den Sternstunden der Fußball-Berichterstattung.

6. September 2003: Nach dem Unentschieden der Bundeself gegen Island führte ARD-Sportreporter Hartmann mit Völler ein Interview voller Kommunikationsprobleme. Dabei machte Rudi sich im Studio-Gespräch Luft über „immer noch niedrigere Tiefpunkte“. Ausgerechnet der sonst als ausgeglichen und besonnen geltende Nationaltrainer drehte plötzlich auf. Er empfahl TV-Moderator Gerhard Delling die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei „Wetten dass ..?“ und legte Hartmann einen Jobwechsel nahe.

Rudi sieht rot im TV-Gespräch

Doch was war der Grund für die Schimpftirade? Völler platzte die Hutschnur, als er bei Hartmann im improvisierten Studio saß und über den Fernseher Delling zuhörte, wie dieser mit Fußball-Experte Günter Netzer über die Partie plauderte. Delling sprach von einem “absoluten, neuen Tiefpunkt”. Und er holte weiter aus: “Spätestens jetzt ist klar: Die Samstagabend-Fernsehunterhaltung steckt in einer tiefen Krise.” Fußball-Experte Netzer meinte dazu: “Ja, das ist ein Tiefpunkt!”

Journalisten bekommen verbale Abreibung

Völler war nicht mehr damit einverstanden, dass „immer so ein Scheiß geredet wird“ und wollte sich „das nicht mehr lange gefallen lassen“. Der wütende Bundestrainer legte nach, während “Waldi” Hartmann ihn weiter befragte: “Du sitzt hier locker bequem auf deinem Stuhl, hast gerade drei Weizenbier getrunken.” Doch Hartmann blieb ruhig und entgegnete schlagfertig: “In Island gibt es kein Weizenbier – und ich trinke auch keines.” Waldi bot im Scherz sogar eine Dopingprobe an.

Historisches Interview

Die Fußball-Journalisten bekamen also jede Menge Fett weg. Für Sportmoderator Hartmann endete die TV-Eskapade übrigens mit einem Geldsegen. Waldi unterschrieb im Anschluss einen langjährigen Werbevertrag, den er mit einer großen Bier-Brauerei abschloss. Da haben Waldi und Rudi in der Tat Interviewgeschichte geschrieben:

 

(Foto auf Vorderansicht:gustavofrazao/Fotolia)