Handwerk Interview: Jörg Mosler über seinen Podcast

Jörg Mosler - Handwerk Magazin

„Handwerker können wunderbar inspirierend sein.“

Jörg Mosler ist Redner und Impulsgeber für das Handwerk. Seit Anfang 2017 spricht er nicht mehr nur auf Bühnen und in Workshops, sondern auch in seinem Podcast „Workers Cast“. Hier interviewt er vor allem besondere Handwerksunternehmer, die inspirieren. Über 20 Gespräche hat er bereits veröffentlicht, immer zuerst exklusiv bei handwerk-magazin.de.

Mario Müller-Dofel*, im Juni 2017

Im Interview erzählt Jörg Mosler, warum er Podcast-Interviews führt, wie er seine Gesprächspartner auf die richtige Wellenlänge bringt und weshalb er nur Gespräche veröffentlicht, mit denen die Befragten auch im Nachhinein wohlfühlen.

Jörg Mosler - Handwerk Magazin
Jörg Mosler: „Irgendwie bin ich ja schon eine Rampensau.“ (Foto: Guido Rehme)

Mario Müller-Dofel: Jörg, Podcast-Interviews zu produzieren kostet Zeit. Warum machst Du Dir als Nicht-Journalist diese Arbeit?
Jörg Mosler: Weil es meine Vision ist, dass das Handwerk eine neue Wertschätzung und vor allem Aufmerksamkeit bekommt. Dafür braucht es mehr starke Stimmen. Meine Interviewgäste sind tolle Typen, die zeigen, wie dynamisch die Branche ist. Mit einem Podcast erhöhe ich die Reichweite für unsere Botschaften.

Du könntest Deiner Leidenschaft schreibend oder filmend nachgehen. Warum musste es ein Podcast sein?
Geschrieben habe ich schon: das Buch „Glücksschmiede Handwerk“. Dafür musst du dich hinsetzen und lesen. Bei einem Video musst du hinschauen. Beides geht kaum nebenbei. Der wesentliche Vorteil von Podcasts ist, dass sie sind das einzige Format sind, für die das Publikum keine zusätzliche Zeit investieren muss. Podcasts kannst du auf dem Arbeitsweg, beim Werkeln, Joggen, Kochen oder Abwaschen hören.

Wie viel Zeit brauchte es, bis der „Workers Cast“ startklar war und Du den ersten Gesprächspartner begrüßen konntest?
Hm. Lass mal überlegen … Das technische Wissen anlesen, Technik besorgen, Jingle für die Startsequenz aussuchen, Titelbild entwerfen, Aufnahmen testen … Insgesamt ungefähr 40 Stunden, schätze ich.

Worauf achtest Du bei der Auswahl Deiner Gesprächspartner?
Vor allem darauf, dass sie etwas Relevantes für Handwerksunternehmer zu sagen haben. Idealerweise machen sie etwas Besonderes. Zudem versuche ich, jüngere und ältere Interviewpartner zu sprechen und die Gewerke durchzumischen. Momentan bin ich noch etwas Maler-lastig.

Was ist an Malern so besonders?
Unter denen gibt es aus meiner Sicht überdurchschnittlich viele innovative Unternehmer, von denen wiederum sehr viele in sozialen Medien aktiv sind. Das macht sie für mich sichtbar.

Und worauf achtest Du hinsichtlich der kommunikativen Fähigkeiten Deiner Interviewpartner?
Erstmal auf nichts. Vor einem Interview kenne ich die kommunikativen Fähigkeiten der meisten Gesprächspartner gar nicht. Es kommt vor, dass einer rhetorisch ein bisschen mau ist. Oder einer erzählt wie ein Buch und der andere lässt sich seine Gedanken mehr aus der Nase ziehen. Darauf reagiere ich situativ im Gespräch.

 

„Zurückhaltende Gesprächspartner versuche ich mit meiner Begeisterung anzustecken.“

 

Wie?
Eher zurückhaltende Gesprächspartner versuche ich mit meiner Begeisterung anzustecken. Irgendwie bin ich ja schon auch eine „Rampensau“. Wobei: Im Podcast versuche ich, etwas zahmer zu sein als bei Bühnenauftritten, um niemanden zu überfordern.

Wie ist die Resonanz, wenn Du Handwerksunternehmer für den „Workers Cast“ anfragst?
Ungefähr 80 Prozent sagen nach meiner E-Mail-Anfrage sofort zu. Ein paar haben vor der Zusage noch ein paar Fragen. Und ein ganz kleiner Prozentsatz meldet sich nicht zurück – auch okay.

Schickst Du Deinen Interviewpartnern vorab konkrete Fragen?
Das vermeide ich, weil ich nicht will, dass sie fünf A4-Seiten mit potenziellen Antworten vollschreiben. Dann würden sie die Zettel vielleicht ablesen, was ein echtes Gespräch verhindern und einen langweiligen, monotonen Sprechverlauf verursachen würde. Schrecklich! Ich will lockere Gespräche, die Spaß machen.

Wie machst Du Deine Leute locker?
Ich bin ein lockerer, begeisterter Typ und versuche die Interviewpartner anzustecken. Meist klappt das. Ich gehe ja auch sonst in meinem Job mit Sprache um, muss Stimmungen erkennen und steuern. Interessant ist: Manchmal denke ich während der Recherche über einen Interviewpartner: Der ist bestimmt eine verbale Granate! Und dann kriegt er erstmal kaum den Mund auseinander. Die umgekehrte Version gibt es übrigens auch. Ich stelle mich auf jede Situation ein. Aber erst im Podcast, weil ich aus Zeitmangel selten Vorgespräche führe.

Wie lange brauchst Du im Interview, um eine gemeinsame Wellenlänge mit dem Interviewten herzustellen.
Wenn der Gesprächspartner ähnlich extrovertiert ist wie ich, klappt es normalerweise binnen weniger Minuten. Mit ruhigeren Typen kann es etwas länger dauern.

 

„Da waren Dinge dabei, die er noch keinem anderen Menschen erzählt hatte.“

 

Podcasts ähneln dem Radio. Dort gilt für Interviewpartner meist: Gesagt ist gesagt. Eine Autorisierung gibt es nicht. Wie ist es bei Dir?
Bei mir ist es problemlos möglich, Aussagen zurückzuziehen. Zum Beispiel hatte ich kürzlich einen Interviewpartner, der ungewöhnlich viel Persönliches von sich preisgegeben hat. Als ich das Interview schon geschnitten und abgemischt hatte, gestand er mir, dass er sich inzwischen unwohl mit gewissen Aussagen fühlte. Da waren Dinge dabei, die er noch keinem anderen Menschen erzählt hatte! Ich habe ihm angeboten, das Interview zu löschen und ein neues zu machen.

Komplett neu? Und das erste Gespräch ab in den Mülleimer?
Hätte ich in seiner Haut gesteckt, hätte ich das ebenfalls gut gefunden. Ich bin einer, der es mag, andere auf ein gutes Glücksniveau zu bringen. Das bedeutet: Behandle andere so, wie sie behandelt werden wollen.

Deine Podcast dauern meist 30 bis 45 Minuten. Ist das nicht zu lang fürs Internet?
Ich versuche immer, nach zirka 30 Minuten zu enden. Manchmal wird’s länger, weil der Interviewpartner entweder viele interessante Sachen sagt oder lange braucht, um auf den Punkt zu kommen. Ich unterbreche dann schon mal, aber nicht zu oft, weil ich es unhöflich finde. 20 bis 30 Minuten sind eine gute Zeit, weil eine typische Autofahrt zum Termin oder ein Abwasch ebenfalls so lange dauert.

Jörg Mosler - Handwerk Magazin
Jörg Mosler in action: In seinen Podcast-Interviews gibt er sich zahmer. (Foto: Guido Rehme)

Welche Deiner Podcast-Folgen wurde bislang am meisten geklickt?
Interessanterweise eine der längsten! Da habe ich mich mit dem Handwerks-Coach Thorsten Moortz über Mitarbeiteranziehung und Mitarbeiterbegeisterung unterhalten. Anfangs sollte es kein Podcast werden, sondern ein Austausch unter Kollegen. Aber nach ein paar Minuten haben wir uns gefragt: Warum nehmen wir den Skype-Call nicht auf? Gesagt, getan. Es wurde ein Dialog, wie wir ihn auch im Biergarten hätten führen können. Sowas geht natürlich nicht mit jedem Gesprächspartner.

Wie lange dauert der gesamte Arbeitsprozess für einen 30-minütigen Podcast?
Von der Interviewpartner-Recherche über das Schneiden und Abmischen bis hin zur Veröffentlichung der Folge etwas mehr als zwei Stunden.

Was bringt die Kooperation mit dem Handwerk Magazin?
Für mich Sichtbarkeit und zusätzliche Reichweite. Dafür bekommt das Magazin ein super Format, mit dem es seinen Online-Auftritt stärkt – eine echte Win-Win-Situation. Künftig wollen wir sogar das gedruckte Heft und den Podcast miteinander verknüpfen.

Welche anderen Podcasts hörst Du?
Ich höre sehr viele Podcasts von Speaker-Kollegen wie Christian Bischoff oder Tobias Beck. Allen Handwerkern sei noch der Podcast „Handwerks-Impulse“ vom bereits erwähnten Thorsten Moortz empfohlen.

Ist der „Workers Cast“ auch etwas für Nicht-Handwerker?
Unbedingt! Erstens sind meine Gäste tolle Menschen, die sonst kaum in der Öffentlichkeit stehen. Und zweitens glaube ich: Wer offener für Ideen aus anderen Branchen ist, bekommt mehr Impulse fürs eigene Geschäft. Handwerker können eine wunderbare Inspirationsquelle sein.

Vielen Dank für das Gespräch, Jörg.

 

* Mario Müller-Dofel ist Mitinitiator des Wissensportals „Alles über Interviews“.