kurz & knackig mit DKMS-Pressesprecher Karsten Meier

DKMS Karsten Meier Interview

„Wissen spiegelt sich in der Interview-Qualität“

DKMS-Pressesprecher Karsten Meier sorgt dafür, dass Menschen über Blutkrebs und Stammzellspenden informiert werden. Wir haben ihn nach seinen Interviewerfahrungen gefragt.

Im August 2017

DKMS-Pressesprecher Karsten Meier Interview
Kommunikationsprofi Karsten Meier: Informiert für die DKMS (ehemals deutsche Knochenmarkspenderdatei) über Blutkrebs (Foto: DKMS)

Alles über Interviews: Herr Meier, welche Vorteile haben Interviews aus Ihrer Sicht gegenüber anderen journalistischen Darstellungsformen?
Christian Maas: 
Face-to-Face hat der Interviewte die Möglichkeit, situativ auf bestimmte Inhalte einzugehen. An der Reaktion des Journalisten lässt sich häufig ablesen, ob die „Botschaft“ deutlich formuliert ist. Ein missverstandener Sachverhalt kann noch klarer beschrieben werden.

Wie sind Journalisten oder Blogger, denen Sie gerne ein Interview geben oder vermitteln?
Unabhängig vom Thema, egal ob informativ oder investigativ, sollte der Interviewer immer ergebnisoffen ins Gespräch gehen. Wenn im Voraus spürbar ist, in welche Richtung „gesteuert“ werden soll, baut dies beidseitige Spannungen auf.

Was erwarten Sie von Journalisten in der Interviewvorbereitung?
Bei klar umrissenen Thema sollte sich der Journalist ein Mindestmaß an Informationen aus gesicherter Quelle – wie dem Pressebereich des Unternehmens – anlesen. So kommen zielgerichtete Fragen zustande, das Gespräch läuft in Ansätzen inhaltlich „auf Augenhöhe“.

Warum sitzen oft Pressesprecher in Interviews, obwohl sie nicht die Interviewten sind?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Wichtige Aspekte sind aber sicherlich kommunikative Zusammenhänge ebenso wie spezifische Wordings des Unternehmens, die der Pressesprecher kennt. Und oftmals muss er das gesprochene Wort kennen, wenn es um eine Freigabe des Interviews geht.

Welche Verhaltensweisen von Interviewern nerven Sie?
Es gibt Sachverhalte, die der Interviewpartner aus Unternehmenssicht in einem festgelegten Wording beantwortet. Wenn Interviewer dann eine andere Antwort erwarten und die gleiche Frage mehrfach stellen, nervt das schon.

Wann ist ein Interview aus Ihrer Sicht schlecht gelaufen?
Ein Interviewer sollte dem Interviewten die Möglichkeiten geben, Kernbotschaften anzubringen. Wenn nur Interviewteile – im schlechtesten Fall Nebensächlichkeiten oder missverständliche Einzelaussagen – verwendet werden, ist das definitiv ein schlechtes Interview.

Wann finden Sie Interviews gelungen?
Ein Interview ist gelungen, wenn der Journalist alle Fragen zu seiner Zufriedenheit beantwortet bekam und der Interviewte gleichzeitig für sich auch Kernbotschaften platzieren konnte.

Was haben gute Interviewer, was schlechte nicht haben?
Ein „normaler“ Interviewer stellt Fragen und notiert Antworten. Gute Interviewer dagegen können durch angelesenes oder allgemeines Wissen auch interessante Rückfragen stellen. Das spiegelt sich am Ende in der Qualität des fertigen Interviews wider.

Sehen Sie Unterschiede in der Interviewführung zwischen Journalisten und Bloggern?
Bislang hatte ich noch keine Interviews mit einem klassischen Blogger. Ich denke aber, dass Blogger intuitiver arbeiten und sich weniger in Rahmen eines vorbereiteten Interviews bewegen.

Was ärgert Sie, wenn Sie Interviewtexte zur Autorisierung bekommen?
Manche Begrifflichkeiten sind so spezifisch, dass der Journalist nicht alles wissen kann. Wenn der Text voll Fehler ist – das fängt teilweise schon bei der falschen Schreibweise des Unternehmens an – ist das ärgerlich; wenn Inhalte und Aussagen auch nicht richtig dargestellt sind, ebenso.

Gehört die Interviewtext-Autorisierung abgeschafft, wie es viele Journalisten fordern?
Ein ganz klares NEIN. Es geht ja nicht darum, die journalistische Freiheit zu beschneiden. Vielmehr ist es wichtig, dass Sachverhalte richtig dargestellt werden. Und es geht darum, dass Aussagen nicht in einem falschen Zusammenhang verwendet werden.

Sie dürfen der Journalistenzunft jetzt bis zu drei Fragen zum Thema Interview stellen.
Wie reagieren Sie, wenn Ihr Interviewpartner kritische Fragen mit Standardsätzen beantwortet? Sollten Interviews zu – aus Unternehmenssicht – interessanten Themen häufiger proaktiv angeboten werden? Was ist aus Sicht des Interviewers ein No-Go für den Interviewten?

Vielen Dank!

Karsten Meier arbeitet in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit bei der DKMS gemeinnützige Gesellschaft mbH in Köln. Neben dem Studium an der Deutschen Sporthochschule absolvierte er ein Volontariat in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei MM Promotion in Köln. Meier war unter anderem PR Director des NFL-Europe-Footballteams Cologne Centurions, arbeitete für Stadionwelt, für die ARENA Management GmbH (Lanxess Arena) und an der Rheinischen Fachhochschule. Seit 2013 ist er für die DKMS tätig.

kurz & knackig Für die „Alles über Interviews“ – Serie beantworten Journalisten, Blogger, Volontäre, Studenten, Interviewte und Kommunikationsverantwortliche von Unternehmen und anderen Organisationen in loser Folge einen Fragebogen zum Thema Interview. Die elf Antworten sollen jeweils höchstens 250 Zeichen lang sein.