Interviewvorbereitung und Interviewführung: 5 Tipps für gutes Timing

Gelingendes Timing bei Interviews: So behalten Sie die Uhr im Blick

Interviewvorbereitung und Interviewführung: Sie wollen viel wissen und haben deshalb eine Menge Fragen an Ihren Interviewpartner? Das ehrt Sie als Journalist, Blogger oder interviewender Öffentlichkeitsarbeiter. Aber hat der Gesprächspartner auch genug Zeit für Ihre Ansprüche? Hier ein paar wichtige Tipps, damit Ihnen das Zeitmanagement gelingt.

Von Tim Farin*

Interviewvorbereitung - Tim Farin
Interview läuft: Nutzen Sie Technik fürs Timing. (Foto: Tim Farin)

Wer häufiger Interviews führt, kennt das: die Sorge, viel mehr Fragen stellen zu wollen, als im Gespräch zeitlich möglich ist. Zeitmanagement, das Timing bei Interviews, ist keine einfache Sache. Wer sich spontan in ein Gespräch begibt, kann Glück haben und einen Interviewpartner erwischen, der viel Geduld und keinen Anschlusstermin hat. Im Normalfall aber drückt es “von hinten” – und entsprechend schnell ist die Gesprächszeit vorbei. Daran sollten Interviewer schon denken, wenn sie ihre Interviews vorbereiten.

Beim Timing und allen anderen Aspekten von Interviews gilt: Der Interviewer trägt die Verantwortung für das Gelingen (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, aber hier geht es ja um den Regelfall). Daher lohnt es sich, die eigene Verantwortung für das gelungene Timing in der Interviewvorbereitung und beim Führen des Interviews, also in der Frage-Antwort-Situation, ernst zu nehmen.

Mit einem Klick auf die Pluszeichen klappen Sie die Tipps auf.

1. Schaffen Sie gemeinsame Erwartungen!

Wichtig für gutes Timing bei Interviews ist das gemeinsame Verständnis dafür, wieviel Zeit für das Gespräch tatsächlich zur Verfügung steht. Darüber einigen sollten sich beide Seiten bereits im Vorfeld. Aus meiner Sicht gehört es zur professionellen Interviewanfrage und einer guten organisatorischen Vorbereitung, schon gleich nach der Anfrage eine explizite Zusage über die zu erwartende Gesprächszeit zu bekommen.

Das bedeutet für Sie als Interviewer/in: Beim Vereinbaren des Gesprächs, also möglichst früh in Ihrer  Interviewvorbereitung,  sollten Sie schon den zu erwartenden Zeitrahmen klären. Das gilt auch für Telefoninterviews – hier führe ich übrigens selten ein relevantes Gespräch von weniger als 30 Minuten Länge. Sofern die andere Seite den Zeitplan vorgibt, nehmen Sie ihn ernst und überlegen Sie, ob Sie damit klarkommen. Falls nicht, versuchen Sie im Vorfeld die Zeit zu verlängern.

Sollte während der Interviewvorbereitung keine Vereinbarung möglich sein, würde ich dieses Thema immer an den Anfang der Frage-Antwort-Situation stellen: “Wieviel Zeit haben Sie für dieses Gespräch?” Das ermöglicht es auch kommunikativ, höflich auf Gemeinsamkeit hinzuarbeiten. So zeigen Sie, dass Sie die Belange Ihres Gesprächspartners berücksichtigen.

2. Nutzen Sie Technik in Ihrem Blickfeld!

Grundsätzlich empfehle ich jedem Interviewer, ein technisches Hilfsmittel für die Zeitmessung zu nutzen. Da ich ein Fan von Aufnahmegeräten bin, habe ich bei den meisten Interviews einen Zähler mit der abgelaufenen Gesprächszeit direkt vor mir auf dem Tisch liegen. Das Gute daran ist, dass ich nicht immer die Uhr an meinem Handgelenk schauen muss. Zumal diese Geste auch den Gesprächspartner irritieren könnte, nach dem Motto: War es so langweilig, was ich gerade erzählt habe?

Wenn Sie eine Armbanduhr oder ein Handy mit Zeitanzeige nutzen, empfiehlt es sich, auch diese Geräte auf den Tisch und damit in Ihr Blickfeld zu legen. Damit zeigen Sie dem Gesprächspartner auch: Sie nehmen das Timing ernst.

3. Reduzieren Sie die Anzahl Ihrer Fragen!

Grundsätzlich gilt: Wenig Zeit – wenige Fragen. Wer ein 5-Minuten-Interview mit einem Experten führt, wird dabei nicht drei Themenkomplexe interessant besprechen können. Allein schon zu viele Themen anzuschneiden, wäre kontraproduktiv. Die Erfahrung zeigt, dass viele Gesprächspartner gerade am Anfang eines Interviews etwas ausgiebiger antworten – diesen Raum darf man ihnen aus kommunikativer Sicht durchaus zugestehen.

Damit ist klar, dass Sie als Interviewer innerhalb der ersten Minuten nur begrenzt Fragen abfeuern können. Überlegen Sie sich (bereits in der Interviewvorbereitung), wie viele Fragen in einem Gespräch von 5, 10 und 30 Minuten realistisch sind. Damit sind nicht die tiefer gehenden, vielleicht sogar bohrenden Nachfragen gemeint, die sich im Gespräch ergeben, sondern Fragen, die einen neuen Aspekt eröffnen. Meine Erfahrung zeigt, dass man hier pro Frage mit zwei Minuten Antwortzeit, mit Nachfragen mitunter mehr, rechnen muss.

Das bedeutet: Bei einem Gespräch von 30 Minuten wären 15 Fragen auf dem Zettel schon eine ganze Menge. Damit Sie ein vernünftiges Gespräch führen können, ohne sich und den Gesprächspartner zu hetzen, sollten es weniger Fragen auf Ihrem Zettel stehen: zehn Fragen zum Beispiel. Reduzieren Sie also die Anzahl der Fragen und priorisieren Sie dabei, was Sie wirklich wissen wollen.

4. Testen Sie Ihr Interview-Konzept!

Die beste inhaltliche Vorbereitung nützt Ihnen nichts, wenn Sie nicht ein Konzept erstellen, das auch im Gespräch selbst funktioniert.  Um das zu checken, spielen Sie es am besten einmal durch, ehe Sie Ihren Gesprächspartner treffen.

Schreiben Sie Ihre Fragen auf und stellen Sie sich vor, Sie wären bereits in der Frage-Antwort-Situation. Wieviel Zeit wird für  die Aufwärmphase, für Nachfragen und Nebenaspekte draufgehen? Wie lange brauchen Sie, um die Fragen auf Ihrem Zettel überhaupt nur zu sprechen (viele Interviewer holen bei ihren Fragen viel zu weit aus und verwirren den Gesprächspartner dadurch ungewollt)? Und wie lange könnten die Antworten ausfallen? Welche Art Antworten erwarten Sie auf beispielsweise offene und auf geschlossene Fragen? Was können verschiedene Frageformen bewirken?

Diese Art Vorbereitung kostet etwas Zeit, lohnt sich aber sehr. Versuchen Sie es mal! Sie werden dadurch auch sicherer, wenn Sie noch nicht routiniert sind.

5. Überziehen Sie auch mal!

Ist das Gespräch wirklich interessant und am Ende noch ein spannender Aspekt nicht zu Ende besprochen? Dann setzen Sie sich auch mal über die gesetzte Grenze hinweg. Denn es wäre ein Fehler, ein spannendes Gespräch voreilig zu beenden, nur weil man zu höflich sein möchte. Trauen Sie sich, zu überziehen! Vielleicht macht Ihr Gesprächspartner ja gerne mit. Und wenn nicht, wird er Ihnen schon deutlich machen, wann es genug ist.

Wenn Sie diese Tipps und Erläuterungen für die Interviewvorbereitung und während Ihrer Frage-Antwort-Situationen beachten, wird Ihnen das Timing im Interview gelingen. Viel Erfolg!

* Tim Farin ist Mitinitiator des Wissensportals „Alles über Interviews“.