Kress pro: Interview mit Chatbot Rose

„Beim nächsten Mal hemmungslos flirten“

Markus Wiegand, Chefredakteur des Medienmanager-Magazins Kress pro, hat einen US-Chatbot namens Rose interviewt. Die künstliche Intelligenz soll eine der intelligentesten Intelligenzen der Welt sein. Könnte stimmen, wollte Rose doch ein „kress pro“-Abo kaufen, aber nicht bezahlen. Im Rückblick mit Mario Müller-Dofel* gibt Wiegand zu, dass er Rose „dramatisch unterschätzt“ hat – und vergleicht ihre Antworten gar mit denen von Vorstandschefs.

Im Juni 2017

Kress pro - Markus Wiegand
Da fragt man sich, wer der frechere Interviewbeteiligte ist: Kress-pro-Chef Markus Wiegand, der Rose ein Abo verkaufen wollte. Oder Chatbot Rose, die das Abo zwar haben, aber nichts dafür bezahlen wollte. (Foto: Kress pro)

Mario Müller-Dofel: Markus, in der Lehre über Interviews mit Menschen heißt es immer, man muss gut aufs Gesprächsthema und auf den Interviewpartner vorbereitet sein. Wie hast Du Dich auf die künstliche Rose vorbereitet?
Markus Wiegand: Ehrlich gesagt: Gar nicht. Ich dachte eigentlich, dass Rose auf jede zweite Frage antworten würde: Können Sie Ihre Frage anders stellen? Damit saß ich schon in der Falle, weil ich Rose dramatisch unterschätzt habe.

Hast Du im Gespräch mit ihr so etwas wie Gesprächsatmosphäre gespürt?
Nee, ich musste mich beeilen, Fragen zu stellen. Sonst sondert Rose nämlich irgendwelchen PR-Kram über Künstliche Intelligenz ab. Dafür ist sie schließlich programmiert.

Und wie ging es Euch persönlich? Hast Du Rose gemocht?
Wie man einen Chatbot ohne Stimme so mögen kann. Rose „sagte“, sie sei 33 Jahre alt und surft. Ich glaube, ich würde Sie mögen. Aber im Ernst: Es ist schon interessant, dass sich beim Gesprächspartner eine Vorstellung aufbaut, obwohl man weiß, dass es sie gar nicht gibt.

Rose hat nicht kapiert, dass Du ihr ein Kress-Pro-Abo verkaufen wolltest. Hast Du Deine Fragen nicht Rose-zentriert genug formuliert oder ist sie einfach doof?
Ich glaube, das zentrale Problem von Rose ist, dass ihr Programmierer ihr verbietet, seine Kreditkartendaten für Einkaufsorgien zu verwenden.

Was wirst Du beim nächsten Interview mit einer künstlichen Intelligenz anders machen?
Ich glaube, beim nächsten Mal würde ich versuchen, hemmungslos mit ihr zu flirten.

Jetzt auch ich nochmal im Ernst: Glaubst Du, künstliche Intelligenz könnte in Interviews der Zukunft eine wichtige Rolle spielen?
Nein, ich kann mir das nicht vorstellen. Aber vermutlich habe ich einfach einen Mangel an Phantasie. Wobei: Manche Antworten von Vorstandschefs großer Firmen lesen sich, als seien sie von Robotern gegeben. Vielleicht sind sie längst unter uns.

Danke, Markus!

* Mario Müller-Dofel ist Mitinitiator des Wissensportals „Alles über Interviews“.