kurz & knackig mit Markus Wiegand vom „Wirtschaftsjournalist“

„Man muss schnell sein im Kopf.“

Markus Wiegand ist Chefredakteur des Magazins Wirtschaftsjournalist. Hier beantwortet er Fragen über Interviews, Interviewer und Interviewte

Im Dezember 2014

Markus Wiegand - Interviewführung
Markus Wiegand: “Ein Warm up halte ich eher für überflüssig.” (Foto: Privat)

Alles über Interviews: Markus Wiegand, was reizt Sie daran, Interviews zu führen?

Markus Wiegand: Wenn Interviews gelingen, sind es seltene Moment der Wahrhaftigkeit in einer manchmal künstlich wirkenden Medienwelt.

An welches Ihrer Interviews denken Sie am liebsten zurück?

Ich habe mal Ralph Grosse-Bley interviewt als er die Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ leitete. Er hat ziemlich ungeschminkt geantwortet und hat Widersprüche stehen lassen. Das hat mich beeindruckt.

Welches Interview haben Sie mal richtig versemmelt?

Ein Doppelinterview mit den Ringier-Chefs Marc Walder und Christian Unger. Mir ist erst dananch eingefallen, was ich eigentlich mit dem Gespräch wollte.

Wann finden Sie Interviews schlecht?

Wenn sie eingesetzt werden, um Wissen abzufragen, das sich in anderen Textgattungen besser vermitteln lässt. Und: Wenn sie aus Kostengründen – oft schriftlich geführt – eins zu eins veröffentlicht werden.

Was ist für Sie das Wichtigste bei der Interviewvorbereitung?

Eine Einstiegsfrage zu entwickeln, die den Gesprächspartner reizt und den Leser packt.

Haben Sie einen Tipp fürs Warm-up vor dem Interview?

Halte ich eher für überflüssig. Der Gesprächspartner sollte wissen, worauf er sich einlässt.

Worauf kommt es beim Fragen besonders an?

Die Balance zwischen dem Zuhören und seinem Konzept zu halten. Dazu muss man im Kopf schnell sein.

Gehört die Autorisierung von Interviewtexten abgeschafft?

Ja, weil sie zu oft eingesetzt wird, um ein Gespräch zu entstellen.

Welches Interviewformat in Deutschland gefällt Ihnen am besten?

Ich mochte die Sendung „Zur Person“ von Günter Gaus. Eine Person, ohne Studiopublikum.

Wen würden Sie gerne einmal interviewen?

Springer-Chef Döpfner über die „Bild“.

Sie können der Pressesprecherzunft jetzt bis zu drei Fragen zum Thema Interview stellen.

Warum geben Ihre Führungskräfte im Wirtschaftsteil so gerne Interviews, obwohl Leserstudien zeigen, dass sie nur schwach gelesen werden?

Vielen Dank!

Markus Wiegand (38) leitet das Branchenmagazin „Wirtschaftsjournalist“ und in Personalunion den „Schweizer Journalist“. Nach seiner Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in
München arbeitete er zunächst frei, ehe er sich dem Medienjournalismus zuwandte.

kurz & knackig Für die „Alles über Interviews“ – Serie beantworten Journalisten, Blogger, Volontäre, Studenten, Interviewte und Kommunikationsverantwortliche von Unternehmen und anderen Organisationen in loser Folge einen Fragebogen zum Thema Interview. Die elf Antworten sollen jeweils höchstens 250 Zeichen lang sein.