Galore-Interviews: Interviewer André Boße erzählt. Podcast!

„Mit Thesenrobotern zu sprechen, bringt wenig“

André Boße ist Textchef und Interviewer beim Interviewmagazin Galore. Er hat schon Dutzende Galore-Interviews über Kunst und Kutur geführt – mit Tom Waits, Udo Jürgens, Lang Lang, Ken Follett und Beyoncé Knowles zum Beispiel. Im Podcast erzählt er über seine Erfahrungen, Erwartungen an Interviewte, Qualitätsmerkmale guter Interviewer und mehr. (Der Podcast-Player ist unter dem Bild.)

Galore-Interviews - André Boße
Promi-Interviewer: André Boßes Berufung sind interessante Gespräche (Foto: Privat)

Von Mario Müller-Dofel*, im November 2017

André Boße gehört zu den ersten Interviewten für den Podcast von alles-ueber-interviews.de, den wir Mitte Oktober 2017 gestartet haben. Er führt Galore-Interviews, ist aber auch für die SZ, den Spiegel, brand eins, Business Punk, Musikexpress, Classic Rock und weitere Medien tätig.

Gerne mehr Topmanager – aber keine „standardmäßigen“

Topmanager tauchen in seiner persönlichen Liste der Galore-Interviews kaum auf. Woran liegt’s? “Wir würden gerne mehr mit Topmanagern sprechen“, sagt André Boße im Podcast mit Alles-über-Interview-Mitinitiator Mario Müller-Dofel. Was dagegen spricht sei, dass sie oft „unpersönlich“ und „standardmäßig“ antworteten. Schauspieler sind da schon anders, findet Boße, wenn auch vergleichsweise „eigen“. Und sie schwärmten viel von Kollegen und Regisseuren – mitunter zu viel.

60 bis 90 Minuten genügen

Und wie lange sollte ein Interview dauern, damit ein Interviewer aus seinem Gesprächspartner das Maximum herausholen kann? „Es gibt Kollegen, die glauben, dass das intensive Drei-Stunden-Gespräch das Beste ist“, sagt André Boße. Und ergänzt: „Ich glaube das nicht. Irgendwann, oft nach ungefähr 90 Minuten, wird es redundant. Die Spannung geht verloren. Man wird unaufmerksam.“ Deshalb hält er 60 bis 90 Minuten Interviewzeit für die ideale Länge.

Echtes Interesse entwickeln

Von seinen Gesprächspartnern erwartet er, dass sie beim Antworten nachdenken und sich auch mal auf Felder trauen, die nicht zu ihrem Alltagsgeschäft gehören. „Es bringt wenig, mit Thesenrobotern zu sprechen“, sagt Boße. Auf der anderen Seite müssen Interviewer, die viel aus ihren Gesprächspartnern herausholen wollen, „echtes Interesse an ihnen entwickeln, das Gespräch flexibel lenken und aufmerksam zuhören“.

„Klein mit Hut“ kann mal passieren

Auch einem Profi wie André Boße misslingt mal etwas. Im Podcast erzählt er von einem Interview mit Blixa Bargeld, Frontmann der Band Einstürzende Neubauten und Gründungsmitglied der Band Nick Cave and the Bad Seeds. Blixa Bargeld gegenüber war Boße wegen einer anfangs falschen Interviewstrategie „erstmal sehr klein mit Hut“ geworden. Er erzählt auch, wie er aus der Gesprächskrise wieder herausfand.

Wunschpartnerin Angela Merkel

Nach Interviewpartnern gefragt, an die er sich besonders gerne erinnert, nennt Boße beispielhaft den Schauspieler Tom Schilling, Sven Regener von der Band Elements of Crime und den Schriftsteller Ken Follett. Wenn er sich einen Interviewpartner wünschen könnte, wäre es zuerst Bundeskanzlerin Angela Merkel. Warum Boße, der interviewmäßig ansonsten in schillernden Welten unterwegs ist, sich ausgerechnet die fade Kanzlerinnen-Rhetorik antun will, begründet er im Podcast ebenfalls.

Hört rein und lasst Euch inspirieren!

* Mario Müller-Dofel ist Mitinitiator des Wissensportals „Alles über Interviews“.